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Kirche

Der eigene Sohn kritisiert am besten

Zum Reformationsjubiläum entsteht zu Vadian ein Bilder-Lesebuch für Kinder – Die St. Gallerin Bettina Schawalder Frei setzt die Idee um.

Keinesfalls als Auftragsarbeit will Bettina Schawalder Frei ihr Buch für Kinder verstanden wissen, welches den St. Galler Reformator Vadian beschreibt. 

«Es ist Zufall», sagt sie sinnend und mit immer grösserer Begeisterung: «Es war eine einzigartige Möglichkeit, aus meinen Quellen zu schöpfen, mich intensiv mit dem Spätmittelalter und den Werten der Reformation auseinanderzusetzen.» Und nebst Beruf und Familie recherchierte, zeichnete, malte und schrieb sie Texte – oft halbe Nächte lang – und ging nie ohne Lesematerial in die Badi.

«Die Reformation und die Loslösung vom Kloster wollte Vadian behutsam einführen, ohne Blutvergiessen.»

Arbeitsgruppe
«Du bist doch kreativ.» Dies war einer der zündenden Sätze, der die gelernte Möbelschreinerin zur Autorin und Gestalterin des Buches über Vadian machte und zur Teilnahme in einer Arbeitsgruppe bewog. Holger Brenneisen, Leiter des religionspädagogischen Institutes, ist Verantwortlicher der Arbeitsgruppe zum 500-Jahr-Jubiläum der Reformation, mit Ausrichtung auf Material- und Erlebnisgestaltung für Kinder und Jugendliche. Während sechs Jahren war Schawalder Frei eine seiner Studentinnen in der Ausbildung zur Fachlehrperson Religion und ERG-Kirchen für die Primar- und Oberstufe. 

Das zeichnerische Talent genutzt
Ihre Kreativität im Zeichnen blieb nicht verborgen, zeigte sich auf ihren Notiz- und Arbeitsblättern für die Schulstunden. «Schade gibt’s kein Bilderbuch über unseren Reformator Vadian», hat sie sich als Stadtsanktgallerin bei der Ideensammlung in der ersten Sitzung der Arbeitsgruppe gedacht. Material für den schulischen Unterricht von Frank Jehle über die Reformationszeit in der Stadt existiert, aber noch kein Bilder-Lesebuch für Schulkinder. Jetzt nahm die Idee Formen an.

Was bewog Vadian?
«Ich bin nicht routiniert im Zeichnen», sagt sie schlicht, darum habe sie mit Bleistift vorgezeichnet, diese Linien mit Filzstift nachgezogen und wasserlösliche Farben mit Pinsel aufgetragen. Gleichzeitig forschte sie in den eineinhalb Jahren der Entstehung des Buches intensiv. Wie haben die Menschen jener Zeit gelebt? Was bewegte Vadian und seine Mitbürger? Und explizit für ein Bild im Buch: Wie sah beispielsweise ein Kachelofen im Mittelalter aus? Wie können Kinder den Umsturz der Werte jener Zeit der Reformen verstehen? 

Freiheiten herausgenommen
Die 42-Jährige nahm sich zeitweise die Freiheit der direkten Rede, legte Vadian Worte in den Mund, beispielsweise in der Passage, in der er seine Tochter Dorothea «Dorli» nennt und ihr den reformierten Gottesdienst erschliesst. Oft war der siebenjährige Sohn der Autorin der beste Kritiker. Ihm ist auch das Buch gewidmet.

 

Text: | Foto: Kathrin Burri, freie Journalistin, Krinau  – Kirchenbote SG, Oktober 2017

 

Historisches kindgerecht erzählen

Bettina Schawalder Frei zu den Stichworten:

Fachlehrperson für Religion: Vor meiner Ausbildung hatte ich mich nicht in der Kirche engagiert. Nach der Geburt meines Sohnes wollte ich pädagogisch tätig werden. Der Beruf der Fachlehrerin ist besser mit der Familie zu vereinbaren als jener der Möbelschreinerin. Gerne erinnere ich mich an die Religionsstunden meiner Schulzeit. Es ist ein spannendes Fach für Kinder. Meine Begeisterung wuchs während der Ausbildung. Es nahm mir den Ärmel rein. 

Buch:Ich hatte Papier und Farben auf dem Boden und Tisch ausgebreitet, war immer in eine Biographie vertieft. Im Projekt wurde ich von Holger Brenneisen sehr unterstützt. Es war bereichernd, mit Sachverständigen der Theologie und der Reformationszeit in Kontakt zu kommen und Informationen zu erhalten. Denn es war eine grosse Herausforderung, Inhalte historisch abzuwägen und zugleich den Kindern verständlich zu erzählen.  

Reformation in St. Gallen: Ich war dank der Ausbildung und Büchern gut informiert. Ich begann, die Umstellung der Werte zu verstehen. Mich interessierte die Haltung Vadians. Er war ein Universalgelehrter jener Zeit, lud beispielsweise Gelehrte nach Hause ein und erklärte die Apostelgeschichte.



Kunterbunt – mehr als Begegnung  | Artikel

Das Projekt „Kunterbunt-Gemischt“ der reformierten Kirche Speicher macht in vielfältiger Weise Senioren und Kindern Lust auf Kunst. Aus anfänglichen Kunstbetrachtenden werden mit der Zeit Kunstschaffende. Dabei ergeben sich spannende Erfahrungen und es entstehen entsprechend spannende Kunstwerke.

 

Ab dem Sonntag, dem 12. November bis am Sonntag, den 7. Januar 2018 steht die Ausstellung im Hof in Speicher allen Interessierten offen - herzlich willkommen!

Öffnungszeiten: Täglich 9 bis 17 Uhr! Information: Claudia Rufer Ritter, Tel 071 344 46 42 oder sozialdiakonin@ref-speicher.ch


Humor ist  | Artikel

Von der mittlerweile preisgekrönten Web-Serie "Hilfe, meine Frau ist Pfarrerin" sind gegenwärtig 11 Episoden aufgeschaltet. Die leicht absurden Geschichten über biblisch-christliche Lebensbetrachtung zeigen mit Augenzwickern auf, wohin gewisse Auslegungen in der Lebenspraxis führen können. Keine tiefschürfende theologischen Auseinandersetzung jedoch in zeitgemässer Form Inputs zu Glaubensfragen, die der/dem Einen oder Anderen vielleicht auch schon durch den Kopf gegangen sind. Die Art des Humors ist nicht jedermanns Sache - einfach mal reinschauen und sich eine eigene Meinung bilden. Viel Spass!