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Politik

Wenn Calvin nicht hätte fliehen können

Ohne die Reformation wären die Bauern in der Schweiz vielleicht noch lange Leibeigene geblieben, und der Staat wäre weniger säkular.

Ohne Reformation gäbe es dieses Jahr keine Flut an Ausstellungen und Gedenkanlässen. In Zürich und Wildhaus wäre Huldrych Zwingli ein Unbekannter. Dasselbe gilt für die Ostschweizer Reformatoren Vadian und Kessler. Genf, wohin der französische Jurist und Humanist Johannes Calvin vor der Protestantenverfolgung des Königs flüchtete, wäre nicht zu dem Ort geworden, welcher der Reformation neue Energie verlieh. Der Eidgenossenschaft wäre vielleicht die Zerreissprobe erspart geblieben, wie sie etwa in der politischen Spaltung Appenzells in katholisch Innerrhoden und reformiert Ausserrhoden bis heute sichtbar ist. Und vielleicht hätte kein sogenannter «Kulturkampf» stattgefunden, in dem der Nationalstaat des 19. Jahrhunderts die Verstrickung der geistlichen und weltlichen Bereiche weitgehend auflöste und sich von der Kirche emanzipierte.

Alle sind frei, steht in der Heiligen Schrift
Stichwort «Kampf»: In der Reformation wurde für die Freiheit gekämpft. In den Bauernkriegen 1525 entstand eine Aufstandsbewegung des «gemeinen Mannes». Sie erfasste innert kurzer Zeit Teile der Schweiz, Süd- und Mitteldeutschlands. Die Bauern forderten das Recht der freien Pfarrerwahl durch die Gemeinde. Zudem sollten die Abgaben an die Herrschaft nicht willkürlich erhöht werden dürfen. Die revolutionärste Forderung war die Abschaffung der Leibeigenschaft. Die Bauern beriefen sich in ihren Protesten auf die Bibel: Es sei der falsche Brauch entstanden, «uns für Eigenleute» zu halten. Es stehe in der Heiligen Schrift, dass alle «frei seien».

Ostschweizer wehrten sich heftig
Die Bauern erhoben sich auch in der Schweiz, besonders heftig in der Ostschweiz. Hier regierte der Abt von St. Gallen als Fürst straff über eines der grössten Territorien der Eidgenossenschaft. An einer Landsgemeinde im sanktgallischen Lömmenschwil am 1. Mai 1525 versammelten sich seine Untertanen mit Forderungen nach mehr Rechten und Freiheit. Eidgenössische Orte mussten friedenssichernd eingreifen. Was hatten die Bauern in Deutschland und der Eidgenossenschaft mit ihren Reformations-Revolten erreicht? Sie drangen mit ihren Forderungen nicht durch. Bis zu den Menschenrechten und der Kultusfreiheit dauerte es noch Jahrhunderte, und es brauchte noch weitere gesellschaftliche und politische Umbrüche. Aber ich bin überzeugt, dass wir ohne die Reformation noch nicht da wären, wo wir sind.

Text: Stefan Sonderegger, Stadtarchivar der Ortsbürgergemeinde St. Gallen, Titularprofessor Universität Zürich  – Kirchenbote SG, Oktober 2017

 



Kunterbunt – mehr als Begegnung  | Artikel

Das Projekt „Kunterbunt-Gemischt“ der reformierten Kirche Speicher macht in vielfältiger Weise Senioren und Kindern Lust auf Kunst. Aus anfänglichen Kunstbetrachtenden werden mit der Zeit Kunstschaffende. Dabei ergeben sich spannende Erfahrungen und es entstehen entsprechend spannende Kunstwerke.

 

Ab dem Sonntag, dem 12. November bis am Sonntag, den 7. Januar 2018 steht die Ausstellung im Hof in Speicher allen Interessierten offen - herzlich willkommen!

Öffnungszeiten: Täglich 9 bis 17 Uhr! Information: Claudia Rufer Ritter, Tel 071 344 46 42 oder sozialdiakonin@ref-speicher.ch


Humor ist  | Artikel

Von der mittlerweile preisgekrönten Web-Serie "Hilfe, meine Frau ist Pfarrerin" sind gegenwärtig 11 Episoden aufgeschaltet. Die leicht absurden Geschichten über biblisch-christliche Lebensbetrachtung zeigen mit Augenzwickern auf, wohin gewisse Auslegungen in der Lebenspraxis führen können. Keine tiefschürfende theologischen Auseinandersetzung jedoch in zeitgemässer Form Inputs zu Glaubensfragen, die der/dem Einen oder Anderen vielleicht auch schon durch den Kopf gegangen sind. Die Art des Humors ist nicht jedermanns Sache - einfach mal reinschauen und sich eine eigene Meinung bilden. Viel Spass!